ONLINE DIALOG

„Von der Corona-Krise zur
nachhaltigen Entwicklung “

24. April 2020
Thomas Metten

Wie wird sich die Rolle der Hochschulen nach der Corona-Krise verändern? Und was kann hieraus für einen gesellschaftlichen Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung entstehen?

Schneidewind, der aktuell noch Präsident und Geschäftsführer des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie ist, gehört zu den Transformationspionieren in Deutschland. Seine wissenschaftlichen Arbeiten haben die Debatten rund um eine nachhaltige Entwicklung in den vergangenen zwei Jahrzehnten bundesweit mitbestimmt. Zum Auftakt der Dialogreihe diskutierte er mit rund 60 Teilnehmenden, wie die aktuellen Erfahrungen während der Corona-Pandemie auch zu einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung beitragen können.

Zur Eröffnung stellte Prof. Dr. Wolfgang Stark (Universität Duisburg-Essen) als Mitinitiator der Reihe heraus: „Wir erleben jetzt eine massive gesellschaftliche Veränderung. Dies wirft die Frage auf: Wie verändern sich Lernen und die Universitäten aktuell?“ In seiner Antwort betonte Schneidewind: „Wir werden künftig völlig anders über Veränderung nachdenken. In der Klimadebatte wurde lange Zeit betont, was alles nicht geht. Jetzt sind viele Dinge möglich. Das zeigt auch, wie viel Veränderungspotenzial in unserer Gesellschaft steckt.“

Potenziale für eine gesellschaftliche Veränderung erkannte der Präsident des Wuppertal Instituts nicht nur in der Krise, sondern auch in den Künsten: Transformationsprozesse seien im Kern immer kulturelle Veränderungsprozesse. Im Zentrum seines letzten Buches „Die Große Transformation“, so Schneidewind, stehe daher der Begriff der „Zukunftskunst“. Gerade die Kunst verfüge über ein wertvolles Reservoir an Vorstellungen und Ansätzen, um Prozesse gesellschaftlicher Veränderung zu gestalten. In der Diskussion stellte er aber auch heraus, wie wichtig die ermöglichende Kraft von Strukturen sei. Eine nachhaltige Entwicklung benötige beides: Möglichkeitssinn und Transformationshandwerk.

In den anschließenden Arbeitsgruppen griffen die Teilnehmenden des Dialogforums unterschiedliche Aspekte der Einführung auf: So betonten sie etwa, dass sie das tatsächliche Ausmaß der Globalisierung, wie es sich aktuell in der Pandemie zeige, überrascht habe. Umgekehrt stärke die jetzige Situation die Hoffnung auf ein Mehr an Regionalität und ein neues Verhältnis zur Natur. Wichtig hierfür sei aber die Frage, wie die Erfahrungen aus der aktuellen Situation, die mit einer starken gesundheitlichen Gefährdung der Bevölkerung und mit der Einschränkung von Grundrechten einhergehe, in die Zeit nach der Pandemie übertragen werden könne.

Prof. Dr. Uwe Schneidewind
Prof. Dr. Uwe Schneidewind

Prof. Dr. Uwe Schneidewind, erster Gesprächspartner des neuen Dialog-Forums "Wissen in Bewegung"​

Schneidewind selbst feierte noch am gleichen Tag im Anschluss an das Dialogforum seinen Abschied vom Wuppertal Institut. Ab Mai wird er für das Amt des Oberbürgermeisters in der Stadt Wuppertal kandidieren. Damit sei auch der Gedanke verbunden, Ansätze zur nachhaltigen Entwicklung, wie er sie in der Forschung entwickelt habe, künftig womöglich stärker in der Kommunalpolitik wirksam werden zu lassen.

Die Online-Dialogreihe „Wissen in Bewegung“ wird im Rahmen der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt in Kooperation mit der Arbeitsgruppe „Hochschule der Zukunft“ und dem Steinbeis-Transferzentrum „Innovation and Sustainable Leadership“ (ISL) umgesetzt.

Prof. Dr. Uwe Schneidewind, erster Gesprächspartner des neuen Dialog-Forums "Wissen in Bewegung"